LAING

 

DOCH AM ABEND WERD' ICH WACH!

Nicola Rost von ›Laing‹ im Gespräch

Mit ›Morgens immer müde‹ machen die Berlinerinnen ›Laing‹ keine Gefangenen. Der Song, mit dem die Band ihre Debüt-EP ›030 / 577 07 886‹ eröffnet, ist die eingängigste deutsche Electro-Nummer mindestens seit ›Nein, Mann!‹ von ›Laserkraft 3D‹. Ein kurzes Gespräch mit Sängerin Nicola Rost über ›Kraftwerk‹, Tanz als Showelement und die Bastelleidenschaft des Großvaters.

Im Promo-Blatt zu Eurer EP wird »ein eigenes Reich zwischen ›Kraftwerk‹ und den ›Supremes‹« angesprochen – inwiefern findet Ihr Euch in diesem Kosmos wieder? Und falls nicht diese Bands, wer oder was hat Euch musikalisch den Weg bereitet?
Ehrlich gesagt, habe ich ›Kraftwerk‹ erst entdeckt, nachdem mich Leute gefragt haben, ob das meine Inspiration sei. Und was Minimalismus und Soundästhetik betrifft, gibt es tatsächlich Parallelen – als unsere musikalischen Wegbereiter würde ich ›Kraftwerk‹ aber nicht bezeichnen. Die ›Supremes‹ dienen wohl vor allem als Referenz in Sachen Mehrstimmigkeit, Bühnenoutfits und Performance. Geprägt ist unsere Musik von ganz verschiedenen Stilen: amerikanischem Hiphop, Funk, Soul, Electro, 80s-Pop, Chansons der 20er, Schlager der 60er, Bossa Nova. Wir mischen die ganze Bandbreite unseres Musikgeschmacks in unseren Songs.
Ihr tretet live mit Tänzerin auf – wie kam es zu dieser vergleichsweise ungewöhnlichen künstlerischen Entscheidung?
Wir wollten einfach eine Show, die wirklich unterhält, und hatten mit Marisa eine fantastische Tänzerin in unserem Freundeskreis – da war es nur eine Frage der Zeit, bis wir auf die Idee kamen, sie zum Bestandteil unserer Show zu machen. Ihre Tanzeinlagen sind immer Highlights unserer Konzerte!
Woher kommt die Faszination fürs Telefon, die ja das komplette Artwork eurer EP durchzieht und auch ihren Titel prägt?
Das Internet ist heute so dominant und hat dem armen Telefon ein bisschen den Rang abgelaufen. Dabei bietet es sich doch für Bands geradezu an, weil es ja unmittelbar ums Hören geht und man seinem Gegenüber sozusagen ins Ohr kriecht. Wir hatten daher die Idee zu einem „Audioauftritt“ als Gegenpart zum Internetauftritt: Man kann die titelgebende Nummer anwählen und sich so Musik, Interviews und Konzerttermine von uns anhören – und uns sogar eine Nachricht hinterlassen! Unser Album haben wir dann auch optisch entsprechend gestaltet, weil die Telefonnummer auch stellvertretend für unseren Anspruch steht, Neues auszuprobieren.
Ihr habt in Berlin bereits an den unterschiedlichsten Orten gespielt – wo hat es euch am besten gefallen, und wo würdet ihr gern einmal auftreten, wenn ihr es euch aussuchen könntet?
Am besten gefallen hat uns unsere Record Release-Party im ›Roten Salon‹, aber vor allem wegen all der Leute, mit denen wir gefeiert haben. Und wenn wir es uns aussuchen würden, wäre die ›Waldbühne‹ nicht schlecht. Oder das ›Olympiastadion‹!
In Potsdam spielt Ihr Anfang November im ›Waschhaus‹ – verbindet Ihr persönliche Erinnerungen mit der Stadt?
Wir haben im Juli das erste Mal hier gespielt, auch im ›Waschhaus‹, und es war ein wunderbarer Abend. Wir freuen uns, jetzt schon zurückzukehren! Mit Potsdam verbindet mich viel, denn ich habe hier an der Uni studiert!
Wie kamt Ihr auf Euren Bandnamen?
Der Name ›Laing‹ ist eigentlich mein Familienname mütterlicherseits. Ich finde, er passt gut zu uns, da er zum einen schön und ungewöhnlich klingt – so wie wir! – und zum anderen die Laings für mich schon immer durchgeknallte Bastler und Erfinder waren: Mein Opa hat zweitausend Patente!
Auf ›030 / 577 07 886‹ covert ihr mit ›Alles nur geklaut‹ eine Nummer der ›Prinzen‹ – wieso gerade dieser Track? Habt ihr Feedback von der Band erhalten?
Warum diese Nummer? Wir haben vor einiger Zeit im Tourbus zusammen deutsche Popsongs gegrölt und da war auf einmal ›Alles nur geklaut‹. Wir fanden die Idee witzig, eine eigene Version zu machen, und ich habe dann erst während der Produktion gemerkt, wie cool der Song eigentlich ist. Die Prinzen haben sich leider bisher noch nicht dazu geäußert.
Wie geht es nun bei euch weiter?
Unser Weg führt direkt zu unserem ersten Album, das im kommenden Frühjahr erscheinen soll. Darauf entwickeln wir uns natürlich weiter, man lernt ja auf der Bühne sehr viel dazu, was Songwriting und Produktion betrifft. Aber gewissen Vorlieben für Sound und Texte bleiben wir erst einmal treu.
[Interview: Friedrich Reip]

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